Immobilienbesitzer und der Vorsorgeauftrag

Beitrag vom 15.08.2019

Als Eigentümer einer Liegenschaft sollten Sie sich frühzeitig mit dem Thema „Vorsorgeauftrag“ auseinandersetzen. Denn im Falle einer Urteilsunfähigkeit dürfen Ihre Angehörigen, Partner oder Erben Sie bei Immobilienangelegenheiten nur vertreten, wenn sie von Ihnen als Vertrauenspersonen durch einen Vorsorgeauftrag benannt wurden. Fehlt dieser Auftrag, kann stattdessen die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) durch die Ernennung eines behördlichen Beistands die Betreuung Ihres Eigentums übernehmen. REMAX Switzerland hat recherchiert, worauf Sie beim Vorsorgeauftrag achten müssen.

 

Darum ist ein Vorsorgeauftrag für Immobilienbesitzer empfehlenswert

Eine Urteilsunfähigkeit kann leider durch eine schwere Krankheit oder einen Unfall jeden in jedem Alter treffen. Seit 2013 ist das Erwachsenenschutzrecht in Kraft. Dieses gibt Erwachsenen die Möglichkeit, durch einen Vorsorgeauftrag (Artikel 360 ff. ZGB) festzulegen, wer im Falle einer Urteilsunfähigkeit die Vertretung übernimmt. Es ist wichtig, rechtzeitig vorzusorgen, damit die Menschen über Sie und Ihr Eigentum entscheiden, die ganz in Ihrem Sinne handeln. Fehlt der Vorsorgeauftrag bedeutet dies, dass Sie sich damit einverstanden erklären, dass bei einer Urteilsunfähigkeit die Kesb einen behördlichen Beistand bestimmt. Natürlich ist dieser auch angehalten, in Ihrem Sinne zu handeln. Zudem muss er alle zwei Jahre vor der Behörde Rechenschaft ablegen.

Das Erwachsenenschutzrecht unterscheidet zwischen Personensorge, Vermögenssorge  und Vertretung im Rechtsverkehr. Durch den Vorsorgeauftrag können Sie eine oder mehrere Vertrauenspersonen bestimmen, die Sie im Falle einer Urteilsunfähigkeit in diesen Angelegenheiten vertreten. In Bezug auf Ihre Immobilie können dies z. B. Anweisungen sein, wie diese verwaltet werden soll. Bevor der Vorsorgeauftrag allerdings gültig wird, prüft die Kesb zum einen, ob er korrekt und vollständig ist. Zum anderen wird untersucht, ob die von Ihnen bestimmten Personen auch in der Lage sind, den Auftrag zu erfüllen.

Viele Ehepaare sind sich nicht bewusst, dass auch der Ehepartner bzw. die Ehepartnerin nur mit einem Vorsorgeauftrag grössere Entscheidungen (z. B. Hausverkauf) ohne behördliche Zustimmung treffen darf. Natürlich tritt ein solcher Vertretungsfall erst ein, wenn ein ärztliches Attest bestätigt, dass Sie urteilsunfähig sind. Bei der Auswahl der Vertreter sollten Sie selbstverständlich nur Personen benennen, denen Sie absolut vertrauen. Denn diese Personen müssen, anders als der behördlich eingesetzte Beistand, keine Rechenschaft über ihre Entscheidungen ablegen. Auch sollte der Vertreter natürlich für die ihm übertragene Aufgabe die erforderlichen Kompetenzen mitbringen. In Hinsicht auf Ihre Immobilie sollte er sich also, falls es sich um vermietetes Stockwerkeigentum handelt, mit Vermietung auskennen.

 

Erstellung und Verwahrung des Vorsorgeauftrags

Formfehler können einen Vorsorgeauftrag infrage stellen. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich vorab genau zu informieren. Der Auftrag muss auf jeden Fall immer handschriftlich mit Datum und Unterschrift oder durch einen Notar aufgesetzt werden. Dabei ist es empfehlenswert einen zweiten Bevollmächtigten zu benennen. Denn es kann immer sein, dass der erste Vertreter seine Aufgabe im Eintrittsfall doch nicht übernehmen kann oder will. Nach der Anerkennung durch die Kesb sollte das Dokument an einem Ort aufgehoben werden, an dem es auch leicht und ohne Zeitverzögerungen gefunden wird (z. B. Registrierung beim Zivilstandsamt). Auch ist es empfehlenswert dem/den ausgewählten Vertreter/n eine Kopie auszuhändigen. Im Falle einer Urteilsunfähigkeit erkennt die Behörde jedoch nur das Original als rechtsgültig an. Denn schliesslich haben Sie ja jederzeit die Möglichkeit, an Ihrem Vorsorgeauftrag Änderungen vorzunehmen.

Quelle:  NZZ. 2019

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